Mit einer realistischen Darstellung einer Explosion bei einem Grillfest werden die Notärzte auf ihre Tätigkeit vorbereitet.
Die Betriebsfeier auf dem Gelände der Stadtwerke endet jäh mit einer gewaltigen Explosion. Gas an einem Grillstand hat sich entzündet, durch die Flammen und herumfliegende Gegenstände sind zahlreiche Besucher teils schwer verletzt worden, liegen am Boden und bluten. Mit diesem Übungs-Szenario testete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Wochenende das Können frisch ausgebildeter Notärzte. "In einem Notfall gibt es kaum Spielraum für Zögern oder Unsicherheiten, jeder Handgriff muss sitzen, der Arzt muss schnell entscheiden", erklärt Ralf Nickt, Leiter der Berufsfachschule für Rettungsdienste des DRK Düsseldorf.
Die rasche Einschätzung einer Notlage und das zielsichere Helfen haben angehende Notärzte zuvor in einem mehrtägigen Kursus in der Berufsfachschule gelernt. In 80 Stunden machten erfahrene Notfallmediziner ihren Kollegen deutlich, was sie beachten müssen, um effizient helfen zu können. Insgesamt 33 Mediziner aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz nehmen an der Ausbildung teil, die für Notärzte Pflicht ist und von verschiedenen Rettungsorganisationen angeboten wird, auch von der Düsseldorfer Berufsfachschule des DRK.
Neben der theoretischen Unterweisung durch Vorträge wurde praktische Hilfe in mehreren Unterrichtseinheiten eingeübt. Dafür stehen Räume mit unterschiedlichen Szenarien, etwa eine Baustelle oder ein Campingplatz, zur Verfügung. "Wir zeichnen uns durch Praxisnähennähe aus", sagt Andreas Fromm vom Bildungszentrum des DRK. Deshalb gibt es auch die großangelegte Abschlussprüfung, die mit etwa 120 Helfern ein realistisches Bild eines Unglücks bieten sollten. Laiendarsteller mussten unterschiedliche Verletzungen mimen, etwa schwere Brandwunden, Fleischwunden durch Splitter oder verletzte Arme oder Beine. Sie wurden dementsprechend aufwendig geschminkt, damit die Ärzte auch mit dem typischen Erscheinungsbild einer Verletzung konfrontiert wurden.
Je realistischer die Darstellng, desto eher spürten die Mediziner, wie hektisch es bei einem Unfall mit schreienden Hilfesuchenden, dem Durcheinander der aufgeregten Menschen und den eintreffenden Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn zugeht, so die Ausbilder. "In unserer Ausbildung lernen die angehenden Ärzte, Prioritäten zu setzen. Sie müssen erkennen, wer schwer verletzt ist und als Erster behandelt werden muss", erklärt Fromm. So reagierte auch einer der angehenden Ärzte richtig, als er bei der Übung laut rufend aufforderte: "Wer noch gehen kann, zu mir." Damit wollte er die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten abschätzen können. Er kümmerte sich dann zusammen mit Rettungssanitätern um die Erstversorgung. "Schwerverletzte" wurden am Unfallort behandelt und für den Transport in ein Krankenhaus vorbereitet. Die Koordination lief über eine eigens eingerichtete Übungsleitstelle in der Berufsfachschule.
Mit dem Ergebnis der Übung waren die Ausbilder zufrieden. Eine genaue Analyse wird jetzt erarbeitet und das Verhalten der angehenden Notärzte noch einmal besprochen.
erschienen in der Rheinischen Post am 05.05.2014; Übertragungsfehler vorbehalten